White Paper zur Zukunft der Kulturhauptstädte Europas in Chemnitz vorgestellt

Foto: Johannes Richter

Am heutigen Freitag ist in Chemnitz das White Paper „40 Empfehlungen aus 40 Jahren Kulturhauptstädte Europas“ präsentiert worden. Das von Chemnitz und Nova Gorica, den beiden Kulturhauptstädten Europas 2025 initiierte Papier, enthält 40 konkrete Vorschläge, die in die Neugestaltung der rechtlichen Grundlagen des Programms einfließen sollen.

Das White Paper basiert auf einer umfassenden Studie, die Erkenntnisse von Geschäftsführungen und künstlerischen Leitungen aus 64 vergangenen und zukünftigen Kulturhauptstädten Europas zusammenführt. Die Untersuchung empfiehlt Anpassungen in vier zentralen Bereichen:

  • Europäische Zusammenarbeit stärken: Die europäische Dimension soll als zentrales Auswahlkriterium fest verankert werden. Zudem wird ein einheitliches Branding vorgeschlagen, das durch ein verpflichtendes, aber individuell anpassbares europäisches Logo unterstützt wird.
  • Auswahl- und Überwachungsprozesse vereinfachen: Der bürokratische Aufwand für Bewerberstädte soll reduziert werden. Anstelle von aufwendigen Vor-Ort-Besuchen wird ein faktenbasierter Prüfprozess empfohlen, der eine faire und transparente Evaluierung ermöglicht.
  • Langfristige Umsetzung sichern: Die im Bewerbungsbuch („Bidbook“) formulierten Konzepte sollen künftig verbindliche Verpflichtungen darstellen. Außerdem wird eine Überarbeitung des Melina-Mercouri-Preises angeregt, damit Kulturhauptstädte bereits in einer frühen Phase finanzielle Unterstützung erhalten. Gleichzeitig sollen nationale Regierungen stärker in die Verantwortung genommen werden, um Gewinnerstädte bei der Durchführung des Titeljahres und des langfristigen Erbes zu unterstützen.
  • Erfahrungen besser weitergeben: Eine von der Europäischen Union unterstützte Plattform soll den Austausch bewährter Verfahren ermöglichen. Zudem wird gefordert, dass Bewerbungsunterlagen („Bidbooks“) und Evaluationsberichte öffentlich zugänglich gemacht werden.

Diese Empfehlungen wurden auf der europaweiten Konferenz in Chemnitz am 4. April intensiv diskutiert. Sie werden nun an die Europäische Kommission, den Rat der EU und das Europäische Parlament übermittelt, um den weiteren Reformprozess anzustoßen.

Stimmen zum White Paper:

Dr. Valentina Montalto, Wissenschaftliche Leiterin: „Für mich als forschende Politikexpertin war es eine große Ehre und Freude, an der Weiterentwicklung dieser bedeutenden Initiative mitzuwirken. Besonders dankbar bin ich den Städten Chemnitz und Nova Gorica für diese wertvolle Erfahrung sowie den ECoC-Verantwortlichen, die ihre Leidenschaft, Herausforderungen und Erkenntnisse mit uns geteilt haben. Diese Forschung soll nicht nur Visionen für die Zukunft entwerfen, sondern konkrete Veränderungen anstoßen. Deshalb sind die nächsten Schritte entscheidend – und wir zählen auf die Unterstützung aller, um dieses außergewöhnliche europäische Projekt weiterhin relevant und wirkungsvoll zu gestalten.“

Georg Häusler, Direktor für Kultur bei der Europäischen Kommission: „Seit 40 Jahren stehen die Kulturhauptstädte Europas für den Brückenbau und die Förderung unserer gemeinsamen europäischen Werte, während sie zugleich die Vielfalt und den Reichtum unserer Identitäten präsentieren. Ich möchte Chemnitz und Nova Gorica dafür danken und beglückwünschen, dass sie dieses Erbe fortführen und einen so aufschlussreichen Bericht über 40 Jahre Kulturhauptstädte Europas erarbeitet haben. Ich bin überzeugt, dass dieses White Paper den Weg für die Gestaltung und Weiterentwicklung der Initiative nach 2033 ebnen wird.“

Sven Schulze, Oberbürgermeister Chemnitz: „Die fulminante Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 hat gezeigt, welche Kraft und Begeisterung dieses Programm für Städte und deren Entwicklung entfalten kann. Doch der langfristige Erfolg einer Kulturhauptstadt liegt in ihrem Erbe, dem Wirken weit über das Titeljahr hinaus. Mit dem White Paper setzen wir einen Impuls, um die Zukunft der Europäischen Kulturhauptstädte aktiv mitzugestalten und ihre Wirkung nachhaltig zu stärken.“

Samo Turel, Bürgermeister Nova Gorica: „Im Jahr des Kulturhauptstadt-Titels trägt Nova Gorica in Zusammenarbeit mit Gorizia und Chemnitz eine verantwortungsvolle Botschaft von Demokratie, Zusammenleben und Freundschaft. In einer Zeit, in der Europa seine Sicherheit und Zukunft hinterfragt, ist es essenziell, dass die Kulturhauptstädte Orte mit historischer Erinnerung sind. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Welt nur als multilateraler Raum auf Basis von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Demokratie bestehen kann. Viele unserer Kulturprogramme spiegeln dieses Engagement wider. Besonders freut mich, dass unsere Städte gemeinsam ein Forschungsprojekt zur 40-jährigen Geschichte der Kulturhauptstädte Europas initiiert haben, das wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft liefert.“

Chemnitz White Paper – 40 Empfehlungen für die Zukunft

Am Dienstag, den 13. Mai, 19.30 Uhr wird das White Paper im Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt. Dr. Valentina Montalto, wissenschaftliche Leiterin und Ph.D., Professorin für Kulturökonomie und -politik, wird das White Paper präsentieren, begleitet vom Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze sowie der Geschäftsführung der Chemnitz 2025 gGmbH, Andrea Pier und Stefan Schmidtke. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit Europaabgeordneten aus Slowenien und Sachsen statt. Auch die Programme der Kulturhauptstädte Europas 2025, Chemnitz und Nova Gorica, werden dort vorgestellt. Paneldiskussionen bieten die Gelegenheit, über die zukünftige Entwicklung des Programms der Kulturhauptstädte Europas zu diskutieren.

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